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Und so war der Nachmittag vorbeigegangen
Und meine Hoffnung nach Neapel zu gelangen
Hatte sich nicht erfüllt

[…]

Irgendwann werde ich hinkommen
Und sei es nur: um auf andere Weise fröhlich zu sein

Aber dann (irgendwann)
Werde ich mein Goethebild revidieren
Und der zweiten (unterdrückten) Kultur nachspüren

Irgendwann muß ich hinkommen
Um die Feuer des Abends zu schüren und morgens zu
löschen

Paul Günter Krohn

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Ministerrat
der Deutschen Demokratischen Republik.
Ministerium für Staatssicherheit. Abteilung XX/3. Leipzig, den 17.08.1982

Auftragsersuchen – Beobachtung

Deckname: “ Poet“

[…]

Zu welchen Geheimdienst/feindliche Organisation besteht Verbindung bzw. der Verdacht, als was tätig (Spion, Kurier, Werber, Funker u.a.)

Sozialistisches Büro und sozialistisches Osteuropakomitee der BRD

Konkrete Begründung der Notwendigkeit und der Zielstellung der durchzuführenden Beobachtung.

S. ist eine Verbindungsperson des im OV “Platon“ bearbeiteten neg.-feindl. Verbindungskreises (Bearbtg. gem. §§106,107 StGB) S. trat als Inspirator zu neg.-feindl. Aktivitäten in Erscheinung, Aufklärung und Dokumentierung (möglichst fotografisch) der durch den S. in Leipzig wahrgenommenen Kontakte, Feststellung bisher noch unbekannter Anlaufpunkte, fotograf. Dokumentation einer eventuellen Zusammenkunft der o.g.

Wer soll nach Zusammenkünften/Verbindungsaufnahmen weiter beobachtet werden?
in der Regel der S., nach Abstimmung mit unserer DE der Montag

Quelle: Meine Stasi-Akte. S. + Poet = Norbert Saßmannshausen

 

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Ein Bergmann im Sauerland

adolfhennecke1925

Adolf Hennecke. Mitte der 20er Jahre. Abbildung aus: Ich bin Bergmann, wer ist mehr? Das Leben des Adolf Hennecke. Von Hannelore Graff-Hennecke

Im Perlentaucher am 4.8.2014: „In der FAZ erklärt Judith Hermann, warum die Arbeit am Roman viel Ähnlichkeit hat mit der Arbeit im Bergwerk.“ Die Arbeit im Bergwerk – was wissen wir darüber (noch)? Wir – also wir Romanleser…
Seit einigen Tagen trage ich Material über den Sauerländer Bergmann Adolf Hennecke zusammen (u.a. „Ich bin Bergmann, wer ist mehr?“). Hennecke wurde dann später in der DDR zum „Helden“ – aber mich interessiert aktuell mehr seine Zeit in Meggen in Westfalen. Adolf Hennecke wurde 1905 in Meggen geboren. Ab 1911 besuchte er die Volksschule in Meggen, nach dem ersten Weltkrieg begann er eine kaufmännische Lehre in Altenhundem (Tobüren). Seine Eltern waren bereits beide vor dem 1. Weltkrieg gestorben, er lebte bei Verwandten in Meggen. Mitte der Zwanziger Jahre verließ Hennecke das Sauerland, zunächst Richtung Berlin, kam aber noch einmal zurück und arbeitete zum ersten Mal in einem Bergwerk.

Wir, meine Familie, lebten in Meggen auf dem Werksgelände (1947-1956) der Sachtleben AG. Unsere Wohnung war ein ausgebauter Dachboden, parallel zum Trockenboden und den Tauben. Das Haus gehörte Sachtleben und stand am Rande des Holzplatzes. Unter uns wohnten Stemmers. Onkel Stemmer arbeitete ebenfalls im Schacht. Und da wohnte Frau Rüsing, die Witwe eines Sachtleben-Direktors. Papa brachte Hasenbrot von der Arbeit mit, trank viel Schnaps, auch auf der Arbeit, spaltete Holz im Schuppen und schlug ab und an uns Kinder. Eine kurze Zeit war er im Elferrat des Meggener Karneval-Vereins, aber das wurde schnell zu teuer.
Einige Häuser weiter der katholische Kindergarten. Meine Einschulung in die Volksschule in Meggen gelang nicht – ich wurde als „zu schwächlich: zurückgestellt“. Eine ganz große Kränkung.

Neben dem Holzplatz war das Kino. Als Kind habe ich dort Märchenfilme gesehen, vielleicht auch noch „Die zehn Gebote“. Wir sind 1956 oder 1957 in den Nachbarort Maumke gezogen. Ich bin weiterhin in Meggen ins Kino gegangen, vermutlich mit meinem Vater, vielleicht mit meiner Mutter. Das erinnere ich aber nicht mehr. Ich erinnere mich nur deutlich (?) an die Filme „Der Löwe von Sparta“, „Die zehn Gebote“ und „Ben Hur“.

Holzplatz. Sachtleben AG in Meggen. Ca. 1954/5. Fotograf:  Fritz Sassmannshausen

Holzplatz. Sachtleben AG in Meggen. Ca. 1954/5. Fotograf: Fritz Sassmannshausen

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Unter Tage. Fritz Sassmannshausen, mein Vater, rechts. Aufnahme aus dem Jahr 1951

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Wohin

Wohin willst du gehen, Matrose,
auf den Straßen hier an Land?

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Vor 45 Jahren: 1969

Alle fuhren nach Berlin. Diejenigen, die nicht zur Bundeswehr wollten sowieso und auch. Ich fuhr allein mit dem Zug. Habe ich in der Jugendherberge übernachtet? Vermutlich, vielleicht. Habe ich die Mauer angesehen, vom Westen aus? Ja. Vom Osten aus? Eher nicht. Aber ich war drüben. Habe ich meinen Eltern geschrieben. Vor allem aber ich Buchläden besucht, am Sayvigneplatz, in Dahlem usw. Ich ertrank in den Titeln der Zeitschriften, in den Titel der Bücher, den Namen der Revolutionäre – – – ich war in St. Petersburg, 1917.  Ich kam aus der Provinz, nein, ich kam aus dem Sauerland. Dort ware alles noch ganz weit weg. Da gab es das Fernsehen. Und die konkret am Bahnhofskiosk in Altenhundem und das Kursbuch-Abo in der Siegener Buchhandlung. Der kleine Sauerländer in Berlin 1969. Noch war er kein Trotzkist, noch gab es keine Genossen, die man später alle kannte, von Siegen bis Lüdenscheid, von Attendorn bis Lennestadt. Er: Ein Suchender im Meer der Organisationen und Initiativen und Zeitschriftenprojekte. Bis heute kann ich nicht schwimmen.

Am Abend ins Theater auf dem Kudamm: Publikumsbeschimpfung von Handke. Erweckungstheater. Und dann, am nächsten Tag, die 883 in der Hand: Peter Handke auf dem Kudamm. Wir sind im Pop-Zeitalter: Ich erbitte mir also ein Autogramm und erhalte es, auf die 883. Mein Drittes Autogramm. Vorher,  1965: Pierre Brice und Lex Barker.

883_24071969

Zurückgekehrt abonnierte ich für Lennestadt 50 Exemplare der 883 („Unser Kater Carlo“ – wir erinnern uns, nicht wahr?!). Ich erhielt sie mindestens bis irgendwann 1970. Zum Schluß wurden die angelieferten Stapel in der Waschküche nur noch abgelegt. Da war ich bereits Trotzkist und las die 883 nicht mehr. Meine Eltern fanden sich damit ab – mit meinem Edelkommunismus, mit den wöchentlichen Stapeln der 883, mit den langen Fahrten, die dann, ab Herbst 1969 als trotzkistischer Genosse nach Dortmund, nach Köln, nach Essen, nach Paris und nach Bonn und Berlin führten.

 

 

 

 

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Tote Zeit

Der Mensch unsrer Zeit ist durchaus ereignishungrig. Er scheint nicht mehr zu wissen, dass es fast nur unglückliche Ereignisse gibt.

Bestimmte Ereignisse in unserem Leben möchten wir wohl selbst schaffen, wir möchten, wie ich glaube, genaue Vorstellungen unseres Kopfes über Nacht verwirklicht sehen, um dann das Nächste zu tun.

O du unser armer, königlicher Kopf, im geheimen gewiss, in jedem Augenblick hunderttausend Hände zur Verfügung zu haben, um Pläne zu verwirklichen, und doch ist nichts da in der Welt, das diese armen Hände ernähren wird, während nun unsere beiden kläglichen Fäuste selbst sehen müssen, wie sie diesen Kopf auch nur füttern, der mit seinen dummen Plänen so viel Futter verbraucht.

Ernst Fuhrmann, Tote Zeit. Roman. Hrsg. von Rembert Baumann, Edition Moderne 1987

 

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Anton Groß

einervondenseidels

Einer von den Seidels

Durch jede Bar in Mont Oliver zwängte sich der fatale Pfiff. Den ganzen Sonntag fuhr der Garrison Fellow von Eastend Pittsburg mit der Untergrund nach Mont Oliver hin und her, saß in der Bar einer Galizierin und auch in einer anderen Bar und noch einer anderen Bar und dachte manchmal, daß er sich wiederum betrinken wird und wieder seine sieben Dollar Strafen muß. Aber überall saß der eine von den Seidels aus Tarnow, einen ganz spitzen Kopf mit einer Hakennase. runden kleinen Filzhut und sah ihn durchbohrend an. Und ging weg, wenn er, der Anton Groß, der Garrison Fellow, auf ihn zu wollte oder es sogar so weit war, daß man den Groß, der doch gar nichts getan hatte, hinauswarf.

Es war eine weitverzweigte Gesellschaft, die ihre Netze um ihn gesponnen hatte. Vorigen Sonntag wurden acht kleine Mädchen mit Steinen beworfen, erinnerte er sich, während er immer noch einen Wisky trank, alle Leute zeigen auf mich. Er ging dann in ein Bordell, und dann noch in eines, und vielleicht auch noch in ein anderes. Blieb dann, das erinnerte er sich genau, bei zwei Mädchen, die ganz in schweren Tuchen waren – wie in Museumsteppichen eingehüllt, fand sich dann wieder in Eastend, ging die Treppe zu seiner Wohnung im zweiten Stockwerk hinauf und bekam dann einen Stoß ins Genick, daß er kopfüber hinunterfiel.

 

DIE TELEPATHEN. Eine Novelle von Franz Jung. Erstdruck in Die Aktion No. 36/37 vom 12. September 1914. Brinkmann & Bose 1980.

 

 

 

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1984 (1)

1984 ich und eric004

 

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Entschuldigung (1)

Manche entschuldigen sich bei mir, indem sie mich beschuldigen: Du bist auch schon zu spät gekommen. Manche entschuldigen sich nicht: Dafür entschuldige ich mich nicht. Manche entschuldigen sich: Ich muss wohl zuviel getrunken haben und kann mich an nichts mehr erinnern. Manche entschuldigen sich: Ich bin in Bayern aufgewachsen.
Sorry.

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Freitag, 4. Juli

Auf dem Fahrrad: Nach langer Pause wieder Genazino auf der Leipziger gesehen, auf dem Opernplatz ein Plausch mit Nivea Schmidt über brasilianischen Fussball in Frankfurt, Kultur und Essen. Zum Schluß: Gegenseitige toi, toi, toi-Wünsche für den Abend. Auf dem Matthias-Beltz-Platz ein Radler, inmitten der Tattoo-Väter mit den Kinderwagen, den Latte-Müttern und und und .. Auf der gegenüberliegenden Seite Frank Grüttner, im Gespräch mit den Leuten von „100“. Besuch in seiner Wohnung und seinem Atelier. Auf dem Balkon Gespräch über Enttäuschungen, Ungerechtigkeiten, Dummheit und Geld. Beim Abschied zwei Zitate: „Traurig bin ich sowieso“ & „Glaubt bloss nicht, dass ich traurig bin“.

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Neuanfang

Ich sammel blaue Flecken
wenn ich durch mein Zimmer geh.

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Sardinien 2014

fridainalghero

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Endlich

Mickau heisst Mickan und schreibt sich mit zwei ll (Ullrich). Danke Bärbel!

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Heimat für neues Denken

Denkerei  Frankfurt am Main – eine Nachfolge.

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13. Februar, Freitag

Am 24. Dezember 1969 erfolgt die Urteilsverkündigung im Senghor-Prozess: Jeweils ein Jahr und neun Monate Gefängnis für Hans-Jürgen Krahl, Günter Amendt und KD Wolff wegen Aufruhr, Landfriedensbruch und Rädelsführerschaft. Das Strafmaß soll, so der Gerichtsvorsitzende, einem „Überhandnehmen der Anarchie“ in der Bundesrepublik Deutschland entgegenwirken und „generalpräventiven Charakter“ haben. Über Weihnachten ist Krahl, wie in jedem Jahr, in Hannover bei den Eltern.

Auf einer Fahrt von Frankfurt zu einer Paderborner Gruppe kommt Hans-Jürgen Krahl am 13. Februar 1970 bei einem Unfall ums Leben. Bei Glatteis auf der Bundesstraße 252 in der Nähe des Ortes Wrexen bei Arolsen stößt das Auto, in dem Krahl mit vier Mitfahrern als Beifahrer sitzt, mit einem LKW zusammen. Krahl ist sofort tot. Im Krankenhaus stirbt der ebenfalls im Fahrzeug sitzende Franz-Josef Bevermeier. Der Fahrer des Wagens sowie Dalia Moneta und Carl Hegemann überleben den Unfall schwer verletzt.

Quelle: Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und Klassenkampf, Biographische Skizze von Norbert Saßmannshausen in der 5. Auflage (2008), Verlag Neue Kritik, Frankfurt

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Eulenbar

Die Gedächtnisleistung nimmt im Alter ab. Erinnerungsfetzen liegen lose herum, fügen sich nicht mehr zusammen, gehen schliesslich ganz verloren. Wir haben Déjà-vu-Erlebnisse, begradigen und beschönigen unsere Vergangenheit, wundern uns über temporäre geistige Aussetzer, zweifeln am Wahrheitsgehalt von Zeugenaussagen, hören von der rasanten Zunahme von Alzheimer-Patienten und haben irgendwie noch immer das Gefühl, unser Gedächtnis sei eine riesige Bibliothek.

Wobei ich mich nicht erinnern kann, ob ich diesen Text nicht bereits gebloggt habe?!

Siehe auch: BOMONGO.DE im Jahr 2004. Continue Reading »

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DIE REPUBLIK mit Rosenkranz. Den Rosenkranz hat Luigis Frau (7 Bello, Niddastraße) aus Rom bzw. dem Vatikan von der Heiligsprechung Padre Pios mitgebracht . franzjungmitrosenkranz

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Im Zweifel: Narzissmus

kulturtippfaz2

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Noch nicht erschienen

buchbaerbel

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und

Welchen Sinn die Konjunktion haben wird, wird die Zukunft zeigen („Welchen Sinn ich der Konjunktion geben will, die die beiden Nomen des Titels verbindet, wird aus meinem Kommentar hervorgehen.“ Emmanuel Levinas: Vom Sakralen zum Heiligen. Fünf neue Talmud-Lesungen, 1969, Verlag Neue Kritik 1977).

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