{"id":309,"date":"2014-09-13T13:39:46","date_gmt":"2014-09-13T11:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/?p=309"},"modified":"2014-09-13T13:46:29","modified_gmt":"2014-09-13T11:46:29","slug":"309","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/?p=309","title":{"rendered":"Das Portrait von Siegfried Unseld"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_313\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/siegfriedunseld.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-313\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-313\" src=\"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/siegfriedunseld-237x300.jpg\" alt=\"siegfriedunseld\" width=\"300\" height=\"379\" srcset=\"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/siegfriedunseld-237x300.jpg 237w, http:\/\/www.frida-und-franz.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/siegfriedunseld.jpg 470w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-313\" class=\"wp-caption-text\">Das Portrait Siegfried Unselds vom Maler Frank Gr\u00fcttner. Foto: N. Sa\u00dfmannshausen<\/p><\/div>\n<p><strong>Aus gegebenem Anlass:<\/strong><em><br \/>\nWeil in diesen Tagen im Suhrkamp-Verlag ein Buch unter dem Motto &#8222;Alles \u00fcber Siegfried Unseld&#8220; herauskam ein Beitrag in diesem Blog, entnommen dem Blog www.denkart-frankfurt.de aus dem Jahr 2009.<\/em><\/p>\n<h3><strong>Gespr\u00e4ch mit Frankfurter Maler Frank Gr\u00fcttner<\/strong><\/h3>\n<p>Sie geh\u00f6ren dazu: Samuel Beckett, Peter Suhrkamp, Siegfried Unseld, Ulla Berk\u00e9wicz. Es ist eine jetzt 15j\u00e4hrige Geschichte mit einer Vorgeschichte und sie geh\u00f6rt in die Gegenwart des Jahres 2009. Es f\u00e4ngt in Berlin an und spielt in Frankfurt am Main.<\/p>\n<p><strong>10.3.1953 <\/strong><br \/>\nFrank Gr\u00fcttner: Das war die Premiere von <strong>Warten auf Godot<\/strong>. Ich war damals in meiner Klasse zust\u00e4ndig f\u00fcr die Theaterkarten am Arndt-Gymnasium in Berlin. Damals kostete eine Theaterkarte f\u00fcr Sch\u00fcler 1 Mark und vom Senat gef\u00f6rdert gab es f\u00fcr jede Theaterauff\u00fchrung, auch bei Premieren, Sch\u00fclerkarten. Ich habe, ein 13j\u00e4hriger, in der 3. Reihe gesessen bei der Premiere von <strong>Warten auf Godot<\/strong> im Schlo\u00dfpark Theater. Ich sa\u00df direkt hinter Suhrkamp, Beckett, Friedrich Luft \u2013 ohne zu wissen, wer da vor mir sitzt. Und ich war der einzige, der immer gelacht hat. Dann dreht sich w\u00e4hrend der Vorstellung einer der vor mir Sitzenden um und sagt: Du bist eingeladen zum Feiern. Als er dann auf die B\u00fchne gerufen wurde, wu\u00dfte ich erst: Das war der Dichter, das war Beckett. Er konnte gut deutsch. Ich habe mit ihm im Fundus gesessen und eine Cola getrunken. <!--more--><br \/>\nWas mich gepr\u00e4gt hat: <em>Warten auf Godot.<\/em> Dar\u00fcber habe ich auch ein Triptychon gemalt: <em>En attendant Godot<\/em>.<br \/>\nIch kannte Unseld, weil ich damals \u00fcber der Buchhandlung Kohl, die mit dem Suhrkamp Verlag verbunden war, mein Atelier hatte. Zum 33. Jahr des Suhrkamp Verlages hatte ich zwei Schaufenster f\u00fcr Kohl gestaltet. Anl\u00e4\u00dflich des 100. Geburtstages von Peter Suhrkamp erhielt ich den Auftrag zur Gestaltung eines Schaufensters der Frankfurter B\u00fccherstube. Daf\u00fcr habe ich dann ein Portrait von Suhrkamp gemalt. Das war 1991.<\/p>\n<p>Beim Umzug der B\u00fccherstube haben Siegfried Unseld und ich das Portrait von Peter Suhrkamp feierlich und unverpackt durch die Stadt getragen. Am neuen Standort der Frankfurter B\u00fccherstube war es lange Zeit im Schaufenster zu sehen. Sp\u00e4ter kam Siegfried Unseld und sagte: So ein Portrait m\u00f6chte ich auch von mir.<\/p>\n<p><strong>1994<\/strong><br \/>\nBeim Malen hatte ich gro\u00dfe Probleme: Weil Siegfried Unseld nicht sitzen konnte oder still stehen. Ein Portrait ist ja ein Kampf, bei dem der Portraitierte der Ausgelieferte ist, er wird ben\u00fctzt, er wird durchschaut, er wird angeguckt. Das hat Siegfried Unseld nicht ertragen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich hat er gesagt: ich bring ein Foto. Das hat er gebracht.<br \/>\nMir reichte das nicht mit dem Foto. Das was Andy Warhol gemacht hat, ein Polaroid und davon einen flachen Siebdruck, das ist die Marke Andy Warhol. Das ist ein h\u00fcbsches Bild, vielleicht auch eine Ikone, aber es ist nicht Siegfried Unseld, sondern Andy Warhol, der sich immer selbst dargestellt hat.<br \/>\nDie Arbeitsweise an diesem Bild: \u2026 da der Unseld also sehr unruhig war, er lief immer so vorgebeugt herum, in seinen teuren Hosen. Er hatte immer graue Anz\u00fcge an, die waren grauenvoll. Die blaue Krawatte stach positiv hervor. Einmal habe ich zu ihm gesagt, Siegfried, ich rate Dir dringend zum Arzt zu gehen, weil ich glaube das Du krank bist. Und, wo ich ihn auch furchtbar getroffen habe, als ich ihm sagte: Ich kann als Maler niemals Deine Haare malen, so wie Du sie tr\u00e4gst. Du bist doch der bedeutendste deutsche Verleger, es kann Dir niemand das Wasser reichen. Du kannst doch Deine Haare nach hinten streichen \u2026<br \/>\nAlso ich habe dann folgendes gemacht: Da er ja jeden Morgen im Hausener Bad seine Runden geschwommen ist bin ich auch da schwimmen gegangen. \u00dcber einen Zeitraum von 3 Monaten bin oft hin und habe sein Gesicht auswendig gelernt, wie ein Geiger sein St\u00fcck, wenn er es richtig spielen will. Und ich habe ihn nat\u00fcrlich als Kaufmann gemalt, den genialen Kaufmann und Verleger. Er hat kein Buch in der Hand und auch die H\u00e4nde sieht man nicht: der starke Oberk\u00f6rper, der Kopf und die blaue Krawatte. Er hat ja auch keinen eigenen Verlag aufgebaut, er hat einen genommen und ausgebaut, also er ist ein Kaufmann. Auch das mu\u00df man k\u00f6nnen und das machte er gut. Es gibt kein anderes Bild, das so intensiv im Leben von Siegfried Unseld gemalt worden ist, ich hab ihn ja endlos begleitet, fast \u201enackt\u201c im Schwimmbad \u2026<\/p>\n<p>Das Bild war fertig aber er traute sich nicht es anzuschauen. Das ging \u00fcber mehrere Wochen. Dann habe ich ihm ein Ultimatum gestellt: Wenn er nicht k\u00e4me, w\u00fcrde ich das Bild auf der Buchmesse im Beisein der Presse als Aktion verbrennen. Daraufhin war er praktisch am n\u00e4chsten Tag bei mir, ich hatte Champagner bereitgestellt. Dann kam die Enth\u00fcllung wobei er hocherregt, wahnsinnig nerv\u00f6s hier herum lief. Und als das Tuch fiel sagte er: Ja, ja, genau, die Augen. Und dann: Da mu\u00df ich mit meiner Frau noch mal kommen.<\/p>\n<p>Doch die kam nicht. Die wollte das Bild gar nicht sehen. Schlie\u00dflich habe ich die Rechnung geschrieben. Daraufhin kriegte ich einen Brief, dass das nicht ausgemacht gewesen w\u00e4re, der Betrag w\u00e4re viel zu hoch und er w\u00fcrde mir die H\u00e4lfte bezahlen. Was ich prompt ablehnte. Daraufhin hat er den Vorschlag gemacht, dass wir dar\u00fcber noch mal reden k\u00f6nnten. Ich schrieb ihm zur\u00fcck: Ich w\u00fcrde nicht handeln. Darauf schrieb er: Er w\u00fcrde erstmal 12.000 \u00fcberweisen, also die H\u00e4lfte. Ich schrieb zur\u00fcck: Dann machen wir das so, Du zahlst mir die 12.000 und das Bild bleibt in meinem Besitz, solange, bis Du Dich entschieden hast, es vielleicht doch noch abzunehmen und ganz zu bezahlen. Diesen Vorschlag hat er angenommen. Irgendwo habe ich noch einen Brief wo er sich entschuldigt, \u2026 weil ich ihm gesagt hatte, einen K\u00fcnstler behandelt man nicht so, entweder man sagt ja oder nein, und wir haben etwas ausgemacht was er einhalten h\u00e4tte m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Frank Gr\u00fcttner: Wie findest Du das Portrait?<\/p>\n<p><em>Sa\u00dfmannshausen: Ich habe es ja schon einmal gesehen, aber es gef\u00e4llt mir jetzt noch mehr. Es ist die Anspannung sichtbar. Obwohl man nur den Kopf sieht, sp\u00fcrt man sein Zuh\u00f6ren, seine Erwartung, die Vibration des Geistes \u2026 Da ist der nicht zur Ruhe Gekommene, einer der nicht zur Ruhe kommen konnte und kann.<\/em><\/p>\n<p>Frank Gr\u00fcttner: Und man sieht auch einen Hauch von Angst.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch mit Frank Gr\u00fcttner wurde im Fr\u00fchjahr 2009 in seinem Atelier gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.denkart-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/siegfriedunseld.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-134\" title=\"siegfriedunseld\" src=\"http:\/\/www.denkart-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/siegfriedunseld.jpg\" alt=\"siegfriedunseld\" width=\"470\" height=\"594\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Maler Frank Gr\u00fcttner lebt in Frankfurt am Main. Sein Atelier befindet sich im Oeder Weg in Frankfurt.<br \/>\nGeboren 1940 in Berlin (erster Wohnsitz bis 1970). Zahlreiche Ausstellungen.<br \/>\nEine ausf\u00fchrliche Vita findet sich auf den Webseiten von Frank Gr\u00fcttner.<br \/>\nSiegfried Unseld wurde am 28. September 1924 geboren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.frank-gruettner.com\">www.frank-gruettner.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus gegebenem Anlass: Weil in diesen Tagen im Suhrkamp-Verlag ein Buch unter dem Motto &#8222;Alles \u00fcber Siegfried Unseld&#8220; herauskam ein Beitrag in diesem Blog, entnommen dem Blog www.denkart-frankfurt.de aus dem Jahr 2009.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[2,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/309"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=309"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/309\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":314,"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/309\/revisions\/314"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.frida-und-franz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}